Erfolgsgeschichte

Fahrzeugbau Parkentin

Unternehmensnachfolge: Warum sich Firmenchef Marko Schrödter für die Heimat entschied

Vor 20 Jahren trat Marko Schrödter ins Unternehmen Fahrzeug- und Karosseriebau Parkentin ein – und hat den Betrieb inzwischen von seinem Vater übernommen. Dafür gewann er jetzt den OZ-Existenzgründer-Sonderpreis „Nachfolge“.

Von Ostsee-Zeitung -29. Dezember 2020

Fahrzeugbau Parkentin

Marko Schrödter vom Farhzeugbau Parkentin erhilet den Nachfolgepreis. Foto: Timo Roth


Es hätte alles ganz anders kommen können. Vor gut 20 Jahren stand für Marko Schrödter eine Entscheidung an – mit weiteichenden Konsequenzen für sein berufliches und sein persönliches Leben: Hamburg oder Heimat? Flugzeuge oder Fahrzeuge?

Marko Schrödter war damals Mitte zwanzig. Er hatte in Wismar Maschinenbau studiert, anschließend eine Weile für ein Unternehmen in Crivitz bei Schwerin gearbeitet und in der Zeit seine Diplomarbeit geschrieben. Und nun? „Ich bekam ein gutes Angebot aus dem Hamburger Raum von einem Ingenieurbüro, das für den Flugzeugbauer Airbus arbeitete“, erklärt Marko Schrödter heute in seinem Büro in Parkentin bei Rostock, was die oben gestellten Fragen eigentlich schon beantwortet.

Eine Entscheidung fürs Leben

Als die Entscheidung anstand, hatte er sich überlegt: „Wenn ich nach Hamburg ziehe, gehe ich bestimmt nicht wieder zurück in die Heimat.“ Die Heimat, das sind Parkentin, Bad Doberan, Rostock. Also nahm er ein anderes Angebot an, eines, das ihm sein Vater Michael Schrödter machte: Sohn Marko könne im Unternehmen Fahrzeug- und Karosseriebau Parkentin GmbH, das der Vater damals leitete, anfangen – und die Geschäfte eines damals noch fernen Tages übernehmen.

Die heutige GmbH hat ihre Wurzeln in der 1960 gegründeten gleichnamigen Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH ), in der sich mehrere Firmen zusammenschlossen und sich unter anderem auf den Bau von Baustellenwagen, Reparaturen von Lastanhängern und Karosseriebauarbeiten konzentrierten. Anfang der 1970er-Jahre wurde die PGH in einen Volkseigenen Betrieb (VEB) umgewandelt und produzierte in den 1980er-Jahren auch die Rettungswagen SMH 3 (Schnelle Medizinische Hilfe).

Sein Vater bewies Weitblick

Dann kam die Wende. Und die Privatisierung. Einige der ehemaligen PGH-Mitglieder ließen sich auszahlen; einige andere – darunter Michael Schrödter, der seit den 1970er-Jahren im Betrieb arbeitete – gründeten die GmbH. „Mein Vater bewies damals den Weitblick, weiterzumachen“, sagt Marko Schrödter. Die ersten Jahre waren nicht immer einfach. Es habe Rechtsstreitigkeiten mit der Treuhand gegeben, weswegen in jenen unsicheren Zeiten oft nur das Nötigste investiert worden sei. Dann, 1999, sei der Streit zugunsten des Parkentiner Betriebs entscheiden worden. Endlich herrschte Sicherheit.

Neue Hallen gebaut

Die Firma expandierte. Auf dem Betriebsgelände an der Doberaner Straße entstand ein neues Verwaltungsgebäude, die Produktionsflächen wurden um neugebaute Hallen erweitert, Sandstrahlanlage und Lackiererei modernisiert. 2018 vermeldete das Unternehmen: Der eintausendste Kran sei aufgebaut worden. Aufbauten – etwa Krane – auf Nutzfahrzeugen gehören zum Kerngeschäft der Parkentiner, ebenso Pritschen oder sogenannte Kofferaufbauten, also geschlossene Kästen mit festen Wänden, mit Ausstattungen je nach Bedarf, etwa speziellen Stauboxen oder Beleuchtung. „So wie der Kunde den Aufbau individuell für seine Arbeit braucht“, erklärt Marko Schrödter.

Nachdem er seine Entscheidung pro Parkentin getroffen hatte, arbeitete er im väterlichen Betrieb zunächst in der Konstruktion und Produktionsvorbereitung, ein paar Jahre später wechselte er in den Vertrieb, betreute Kunden im Bereich südliches Mecklenburg. „Der Vertrieb ist einer der wichtigsten Bereiche“, sagt Marko Schrödter. Hier würden Aufträge generiert, der Kontakt zum Kunden gehalten. 2014 übernahm der heute 45-Jährige dann die Geschäftsführung. Seit zwei Jahren ist er zudem Mehrheitsgesellschafter. Und er gewinnt den diesjährigen OZ-Existenzgründer-Sonderpreis „Nachfolge“.

Erfolgreiche Nachfolge frühzeitig planen

Eine erfolgreiche Nachfolge sei „sowohl für das Unternehmen als auch gesamtwirtschaftlich von großer Bedeutung“, betont der Schweriner Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU). Daher sei es „wichtig, dass eine frühzeitige Nachfolgeplanung Bestandteil einer strategischen Unternehmensplanung ist“. Glawe: „Wenn erfolgreiche Unternehmen vom Markt verschwinden, weil eine Nachfolge scheitert, gehen Arbeitsplätze sowie das über die Jahre wertvoll aufgebaute Know-how der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der hergestellten Produkte verloren.“

Senior Michael Schrödter ist auf jeden Fall „heilfroh“, dass sich sein Sohn damals für den Betrieb entschieden hat und die Geschäfte nun weiterführt. „Ich habe hier sehr viel Herzblut reingesteckt“, sagt der Vater. Und was gebe es Schöneres, als den Betrieb mit seinen 48 Mitarbeitern in guten Händen zu wissen? (Axel Meyer-Stöckel)

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